Fasolt Rudi

Interview mit dem Wochenblatt "Der Vinschger"



„Der Vinschger“: Herr Fasolt, sie sind beruflich in der Immobilienbranche tätig und politisch als Gemeinderatsmitglied aktiv. Wie kommen Sie dazu, einen Verein zu gründen, der sich den Schutz der Tiere auf die Fahne schreibt? Gibt es nicht schon genug Tierschutzvereine und -organisationen?

Rudi Fasolt:

Dazu möchte ich vorerst einmal richtig stellen, dass ich den Verein noch nicht gegründet habe, sondern es meine Absicht ist, über einen demnächst zu gründenden Verein, das Projekt „OCULATUS“ zu verwirklichen. Aufgrund meiner sowohl beruflichen als auch politischen Aktivitäten war und ist mein Tag bestimmt nicht durch Langeweile geprägt, aber es ist doch so, dass der Mensch aufgrund verschiedener persönlicher Erfahrungen im Laufe seines Lebens durch mehrere soziokulturelle Evolutionen geht und sich schlussendlich für jene Lebensweise und damit verbundene Überzeugung entscheidet, welche ihm als die sinnvollste erscheint. Ich habe somit die Entscheidung für mich getroffen und möchte meine persönlichen Erkenntnisse in Zusammenhang mit nachhaltigem Tierschutz, ohne zwingendes Anrecht auf Zuspruch, weitergeben. In der Tat gibt es heute jede Menge Tierschutzvereine und -organisationen, aber es hat auch noch nie so viele leidende „Nutztiere“ gegeben wie heute. Dabei möchte ich auch klarstellen, dass das Einfangen von Katzen oder Hunden, deren Weitergabe an Tierheime und das Einkassieren einer entsprechenden Prämie oder das Halten und Verwöhnen eines Haustieres aber gleichzeitigem uneingeschränkten Fleischverzehr, in meinen Augen nichts mit „echtem“ Tierschutz zu tun hat.

„Der Vinschger“: Was drückt der Name „Oculatus“ aus?

Rudi Fasolt:

„Oculatus“ kommt aus dem lateinischen und heißt soviel wie „mit Augen versehen“. Ich habe für das Projekt diesen Namen gewählt, da es im Grunde ausreicht mit Augen versehen zu sein um zu erkennen, in welch hohem Ausmaß tägliches Unrecht an unsere Mitlebewesen, den Tieren, verübt wird. „Mit Augen versehen“ zu sein, bedeutet für mich auch einerseits nicht wegzuschauen bei der täglichen gewerbsmäßigen Ausbeutung und den Misshandlungen von Tieren und andererseits zu versuchen früh genug, sprich im Kindergarten und in den Schulen, all den „mit Augen versehenen“ Kindern und Jugendlichen das Mitgefühl und den Respekt gegenüber anderen Lebewesen, also auch Tieren, zu vermitteln. In diesem Zusammenhang sehe ich Tierethik als ein Teil der Gesamtethik und dient als Erziehung zur Menschlichkeit.

„Der Vinschger“: Essen Sie persönlich Fleisch?

Rudi Fasolt:

Ich glaube diese Frage erübrigt sich von selbst, möchte an dieser Stelle auch in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass es längst bekannt ist, dass Fleischkonsum für viele Krankheiten verantwortlich gemacht wird, ohne die riesigen Rinderherden der Wohlstandsstaaten, die das Getreide der Armen verzehren, es keinen Welthunger mehr geben dürfte und Massentierhaltung den Treibhauseffekt auf der Welt immer dramatischer vorantreibt. Man kann auf Fleisch verzichten, und zwar vollständig. Internationale und deutsche Studien zum Beispiel von der Universität Gießen, dem Krebsforschungszentrum Heidelberg und dem Bundesgesundheitsamt kamen zu dem Ergebnis, dass Vegetarier meist nahezu idealgewichtig sind, günstigste Blutdruckwerte und einen niedrigen Cholesterinspiegel haben. Deshalb überrascht es nicht, dass sie kaum an Diabetes, Gicht oder Arteriosklerose leiden und länger leben.

„Der Vinschger“: In der Schule habe ich gelernt, dass ein Tier ein Tier ist und ein Mensch ein Mensch. Wo liegt in Ihren Augen der Unterschied?

Rudi Fasolt:

Ich habe in der Schule auch gelernt, du sollst nicht töten. Ich glaube über diesen Punkt könnten wir tagelang diskutieren und Sie mögen anderer Ansicht sein, aber ich würde hier nicht von Unterschieden sondern von gegenseitigem Respekt und von Würde sprechen. Die Würde des Menschen und die Würde des Tieres lassen sich nicht trennen. Für mich zählt in erster Linie die Leidensfähigkeit eines Lebewesens und da finde ich zwischen Mensch und Tier wenig Unterschiede.

„Der Vinschger“: Ist nicht auch eine Pflanze ein gleichwertiges Lebewesen?

Rudi Fasolt:

Aus biologischer Sicht mag es sein, dass man Pflanzen aufgrund diverser Kriterien wie Gestalt, Reize, Wachstum, Fortpflanzung und Stoffwechsel als Lebewesen bezeichnen kann, aber der Unterschied zu Tieren liegt meiner Meinung nach in der Leidensfähigkeit. Man muss sagen das ganze ist ein sehr komplexes Thema und es steht mir nicht zu darüber zu urteilen, jedoch gibt es meiner Kenntnis zufolge keinen wissenschaftlichen Grund anzunehmen, dass Pflanzen leidensfähig wären. Die beste heute verfügbare Wissenschaft sagt uns, dass Pflanzen weder ein Zentralnervensystem noch ein Gehirn oder irgendein anderes System haben, das für so komplexe Fähigkeiten wie bewusste Schmerzgefühle verantwortlich sein könnte. Die Leidensfähigkeit bei Tieren ist jedoch eindeutig erwiesen und dies ist auch der Grund, weshalb ich mich als Mensch verpflichtet fühle, den Tieren als Lebewesen entsprechende Rechte zuzugestehen.

„Der Vinschger“: Sie haben in Leserbriefen schon oft Missstände im Zusammenhang mit Tieren angeprangert und kritisiert. Gibt es auch hier bei uns Anlass zu Kritik?

Rudi Fasolt:

Ja leider gibt es auch im Heiligen Land Tirol Gründe genug den Umgang mit Tieren anzuprangern. Abgesehen von manchmal seit Generationen unverständlichem Umgang mit den Tieren in manchen Ställen und im Freien, sogenannten „Lausbubenstreichen“, ich erinnere an das Kaninchen, welches durch das Dorf geschliffen oder die Katze die mit Pfeilen beschossen wurde, wird hier bei Misshandlungen viel zu oft weggeschaut und nur im Nachhinein ist dann so mancher darüber bestürzt.. In diesem Zusammenhang enttäuscht mich auch so mancher Tierarzt, der sich durch bewusstes oder unbewusstes Wegschauverhalten vielleicht den einen und anderen guten Kunden nicht vergraulen möchte. Die mit unserem Steuergeld ausgebildeten und finanzierten Tierpolizisten habe ich persönlich noch nie gesehen bzw. wüsste als Normalbürger gar nicht, wie ich diese erreiche. Und im Tourismusland Südtirol, Land von Markenspeck, Kaminwurzn, Schöpsenes und Wildspezialitäten stößt man mit der Einstellung „Es muss nicht immer Fleisch sein“ sicherlich auf wenig Verständnis.

„Der Vinschger“: Wie gut kennen Sie das Tierheim Naturns, das in Ihrer Nachbargemeinde Plaus liegt? Dieses Tierheim stand schon öfters vor dem Aus.

Rudi Fasolt:

Ich persönlich war erst einmal im Tierheim Naturns, habe aber Kontakt mit dem einen und anderen Mitarbeiter und schäme mich als Gemeinderat der Marktgemeinde Naturns, welche ja auch großer Nutznießer dieser Einrichtung ist, dass so wenig seitens der öffentlichen Verwaltung unternommen wurde und wird. Ich habe des Öfteren im Gemeinderat auf die schwierige Lage des Tierheims hingewiesen, für wirkliche Hilfsmaßnahmen fehlte offiziell allerdings anscheinend immer wieder ein klares Konzept der Führung oder die rechtliche Möglichkeit. Im Grunde fehlt der Wille. Was meine Einstellung generell zu Tierheimen anbelangt, möchte ich unmissverständlich klarstellen, dass für mich ein Tierheim grundsätzlich nur als „Notlösung“ für Tiere anzusehen ist. Tiere sollten wirklich nur in außergewöhnlichen Situationen, also wenn es keine bessere Lösung gibt, und nicht aus reinen Bequemlichkeitsgründen in ein Tierheim abgeschoben werden.

„Der Vinschger“: Würden Sie ein Tier schlachten und essen, um nicht zu verhungern?

Rudi Fasolt:

Davon ausgehend, dass hier in einem zivilisierten, einigermaßen sozial ausgerichteten und durch eine Vielfalt natürlich wachsender Nährstoffe geprägtem Land niemand mehr in die Situation kommen dürfe, aus Hungersgründen ein Tier schlachten zu müssen, könnte ich mir dies auf der Basis meiner heutigen geistigen Evolution nicht vorstellen.

„Der Vinschger“: Es gibt Leute, die für eine Hauskatze monatlich mehr Geld ausgeben als ein Familienvater in armen Ländern im selben Zeitraum verdienen kann. Kein Widerspruch?

Rudi Fasolt:

Ich glaube das kann man so nicht vergleichen, denn wäre dieser Familienvater hier würde er um das Vielfache verdienen und wären die von Ihnen genannten Leute in einem armen Land, könnten diese bestimmt nicht soviel für eine Hauskatze ausgeben bzw. wahrscheinlich gar keine haben. Grundsätzlich sehe ich das so, dass jene Leute, welche Haustiere halten, auch dafür verantwortlich sind und für eine angemessene Haltung zu sorgen haben. Mir graut allerdings vor Tierhaltern, welche ihre Haustiere aus egoistischer Dummheit und Selbstdarstellungswahn zu Herzeigeobjekten versklaven oder glauben im Interesse des Tieres sämtliche Auszeichnungen erringen zu müssen.

„Der Vinschger“: Stichwort Stierkampf: Im Normalfall ist es der Stier, der in der Arena getötet wird, und nicht der Stierkämpfer. Würde Sie die umgekehrte Reihenfolge wirklich stören?

Rudi Fasolt:

Diesbezüglich möchte ich an meinen letzten Leserbrief zur Stierhatz in Pamplona erinnern. In der Zeit vom 7. bis 14. Juli werden jeden Morgen sechs Kampfstiere und mehrere zahme Leitochsen durch die Altstadt gejagt und die Bullen dann in der Regel beim abendlichen Stierkampf in der Arena getötet. Heuer fand man dann in den Medien eines Tages die Nachricht, dass es während der Treibjagd einen Toten gegeben hat. Damit kommt wohl wieder zum Ausdruck, dass ein toter Mensch bei der Allgemeinheit mehr Mitgefühl hervorruft als in diesem Falle die am Abend getöteten sechs Tiere. Ich möchte damit sagen, dass ich das gezielte Töten grundsätzlich unwürdig und verachtend finde und persönlich auch keinen Unterschied mache, welche Art von Lebewesen betroffen ist.

„Der Vinschger“: Wir stark ist bisher der Zulauf zu Ihrem Verein?

Rudi Fasolt:

Wie bereits eingangs erwähnt, wurde der Verein noch nicht gegründet und ich konnte somit auch noch nicht öffentlich dafür werben. Aber die Tatsache, dass ich das Projekt „Oculatus“ auf meiner privaten Internetseite (www.fasolt.it) angekündigt habe, bekomme ich diesbezüglich schon die eine und andere Anfrage und zum Glück auch Angebote zur Mitarbeit bei der Realisierung des Projektes. Zumal ein solches Projekt allerdings sowohl finanziell als auch arbeitsmäßig sicherlich nicht von ein paar einzelnen Leuten zu bewältigen ist, würde ich mich selbstverständlich freuen, wenn sich in den nächsten Wochen und Monaten noch viele Unterstützer, auch finanzieller Natur, und freiwillige Mitarbeiter melden würden